Merkel beim Abschluss der Reformationsjubiläums: Toleranz ist "die Seele Europas"

01.11.2017

In ihrer Rede auf dem Festakt warb Kanzlerin Merkel für Toleranz. Sie sei wesentliche Voraussetzung für die gute Entwicklung einer Gesellschaft und für deren Zusammenhalt. Mit einem Gottesdienst und einem Festakt in Wittenberg ging das Reformationsjubiläum zu Ende.

Mit seinen Thesen brachte Martin Luther einen Stein ins Rollen, der sich nicht mehr aufhalten ließ und die Welt für immer verändern sollte, würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bedeutung der Reformation. Mit der Reformation habe sich das Verständnis eines zur Freiheit berufenen, mündigen Menschen entwickelt. Auf diesem Verständnis baue jede demokratische Ordnung auf, so Merkel zum Abschluss des Reformationsjubiläums.

Toleranz ist Grundprinzip der offenen Gesellschaft

Die Kanzlerin war Hauptrednerin beim Festakt in Wittenberg. In ihrer Rede warb sie für Toleranz. Toleranz sei wesentliche Voraussetzung für die gute Entwicklung einer Gesellschaft und deren Zusammenhalt. "Wer die Vielfalt bejaht, muss Toleranz üben", so Merkel.

Toleranz sei die Grundlage für das friedliche Zusammenleben in Europa. "Wir haben gelernt, dass die Toleranz die Seele Europas ist. Sie ist das Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft." Besonders in Zeiten einer globalisierten Welt sei Toleranz eine zentrale Herausforderung, erklärte die Bundeskanzlerin.

Rainer Haseloff als Ministerpräsident des gastgebenden Bundeslandes Sachsen-Anhalt und auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters hielten Grußworte auf dem Festakt. Grütters war auf Seiten der Bundesregierung federführend bei der Organisation des Reformationsjubiläums.

Gäste aus Politik, Kultur, Kirche und Gesellschaft

Nach einem Gottesdienst in der Schlosskirche empfingen der EKD-Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischöfin Ilse Junkermann und, von staatlicher Seite, Ministerpräsident Haseloff und Kulturstaatsministerin Grütters in und ausländische Gäste im Stadthaus. Sie begrüßten neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel die Spitzen der weiteren Verfassungsorgane, Vertreter der Kirchen und Prominenz aus Kultur und Politik.

Der Deutsche Bundestag hat das 500. Reformationsjubiläum als "Ereignis von Weltrang" gewürdigt. Wegen dieser gesamtstaatlichen und internationalen Bedeutung beschloss die Bundesregierung, sich zu engagieren und die kirchlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten zu ergänzen.

Martin Luther hat vor 500 Jahren seine 95 Thesen an das Portal der Wittenberger Schlosskirche eschlagen – so sagt die Legende. Nun blickten Politik und Kirche am "Ursprungsort" der Reformation zurück auf die vergangenen zwölf "Reformationsjubiläums-Monate".

Höhepunkt eines kulturellen Großereignisses

Als Abschluss der Lutherdekade haben Staat und Kirche in enger Zusammenarbeit besonders 2017 die Reformation und deren Auswirkungen auf Geschichte und Kultur weit über Deutschland hinaus in den Fokus gerückt.

In Wittenberg wird gefeiert: Festgottesdienste und Festkonzerte in den Kirchen, ein Renaissancemusikfestival, ein Konfirmandentreffen oder Aktionen für Kinder an den Originalschauplätzen gehören zum vielseitigen Programm. Die Altstadt bot ein historisches Marktspektakel. Musikanten und Gaukler sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre. Das Bundespresseamt lud zu einer Zeitreise durch 500 Jahre Reformation ein. Mit der Ausstellung "Aufbruch zur Freiheit" direkt vor dem Lutherhaus in Wittenberg erinnerte die Bundesregierung an dieses bedeutsame Ereignis. In einem "Seh-Container" – einem ehemaligen Seefrachtcontainer – stellte ein kurzer Film die wichtigsten 13 Stätten der Reformation in Deutschland vor. Bereits zum Evangelischen Kirchentag war die Bundesregierung in Wittenberg präsent.

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Merkel beim Abschluss der Reformationsjubiläums: Toleranz ist "die Seele Europas"

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Festakt