Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit

Bild vergrößern Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit mit Indien reicht bis Ende der fünfziger Jahre zurück und gründet u.a. auf zwei Regierungsabkommen von 1971 und 1974. Die indische Wissenschaft genießt in Deutschland einen sehr guten Ruf (vor allem Raumfahrt, IT und Biotechnologie) und umgekehrt. Seit den neunziger Jahren finden regelmäßige Treffen auf StS-Ebene statt, bei denen wichtige Projekte und Prioritäten der Zusammenarbeit behandelt werden. Die letzte Sitzung fand im März 2010 in Delhi statt.

Die Bedeutung Indiens als Partnerland der Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich wird nicht zuletzt durch hochrangige Besuche unterstrichen. Im Februar 2010 besuchte Bundespräsident Dr. Horst Köhler während seines Staatsbesuchs das Indian Institute of Technology (IIT) in New Delhi, wo er mit Fakultät und Studenten über zukunftsrelevante Themen diskutierte und das Indo-German Max Planck Centre for Computer Science (IMPECS) einweihte.

Im Mittelpunkt des Besuchs von Bundesministerin Schavan im September 2008 stand die Einweihung des Deutsch-Indischen Wissenschafts- und Technologiezentrums (IGSTC) in New Delhi. Das IGSTC wird von beiden Seiten mit jeweils 2 Mio Euro pro Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert und wird insbesondere anwendungsnahe Forschung mit Beteiligung von Unternehmen und Forschungsinstitutionen fördern. Im Rahmen des Besuchs verkündete Bundesministerin Schavan außerdem das Programm „A New Passage to India“, das die Förderung binationaler Studiengänge ebenso vorsieht wie Studien- und Forschungsaufenthalte und Praktika in Deutschland und Indien. 4,3 Mio Euro stehen dem DAAD jährlich für dieses Programm zur Verfügung.

Bild vergrößern Wissenschaft und Technologie war auch ein wesentlicher Schwerpunkt der Reise von Bundeskanzlerin Merkel nach Indien von Ende Oktober 2007. Der Delegation gehörten neben Bundesministerin Schavan sechs führende Vertreter deutscher Wissenschaftseinrichtungen an. Die Regierungschefs gaben das Startsignal für den vom BMBF geförderten Wissenschaftszug „Science Express“, der in Kooperation zwischen MPG und dem indischen Wissenschaftsministerium auf seiner sieben Monate währenden Fahrt durch Indien den Forschungsstandort Deutschland präsentierte und dabei Studenten und Schüler für wissenschaftliche Themen begeisterte. Insgesamt verzeichnete der „Science Express“ in 56 Städten über zwei Millionen Besucher.

Ein wichtiges Vorhaben des BMBF ist daneben die Forschungsmarketing-Kampagne Indien, die ebenfalls beim Besuch von Ministerin Schavan gestartet wurde. Es geht dabei um Veranstaltungen mit Beteiligung deutscher Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen in Indien mit dem Ziel, Partner für mögliche gemeinsame Forschungsprojekte zusammenzubringen.

Im Rahmen des Indienbesuchs der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Schavan, im Februar 2007 fand auf Initiative der deutschen EU-Ratspräsidentschaft eine hochrangige EU-Indien-Wissenschaftsministerkonferenz statt. Das dort vereinbarte "New Delhi Communiqué" setzt Maßstäbe für die künftige Zusammenarbeit der EU und Indiens im Bereich Wissenschaft und Technologie.

Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine deutsch-indische Erklärung zu Indiens Beteiligung am deutschen Großprojekt FAIR mit internationaler Beteiligung unterzeichnet. Indien hat sich verpflichtet, einen Anteil von 3 % der Gesamtkosten von 1,2 Mrd. Euro zu übernehmen. Im Bereich der Materialforschung hat Indien Anfang 2009 eine Zusammenarbeit mit DESY (Deutsches Elektronen-Synchrotron) in Hamburg vereinbart. Vorgesehen ist eine wissenschaftliche Zusammenarbeit im Bereich Nanoforschung, Nanotechnologie und moderner Materialforschung.

2004 wurde durch den damaligen Bundeskanzler Schröder der sehr erfolgreiche Indo-German Science Circle in Neu-Delhi gegründet, eine hochrangige Vortragsreihe mit Netzwerk und bilateraler Wissenschaftswebsite.

Bild vergrößern Die Max-Planck-Gesellschaft schloss 2004 ein Grundsatzabkommen mit dem indischen Wissenschaftsministerium (DST). Sie ist seit 2008 mit einer Repräsentanz an der Deutschen Botschaft in Delhi vertreten. Die Zusammenarbeit mit Indien entwickelt sich sehr dynamisch: Im Jahr 2009 kamen über 600 indische Wissenschaftler zu Forschungsaufenthalten an Max-Planck-Institute. An den Doktorandenprogrammen, den International Max Planck Research Schools, stellt Indien mit 120 Teilnehmern die größte ausländische Gruppe. Anfang Februar 2009 weihte Bundespräsident Dr. Horst Köhler gemeinsam mit dem indischen Wissenschaftsminster und dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft das Indo-German Max Planck Centre for Computer Science (IMPECS) ein. IMPECS wird von BMBF, DST und MPG mit insgesamt € 4 Mio über fünf Jahre finanziert. 14 Max-Planck-Partnergruppen arbeiten in Indien, so viele wie in keinem anderen Land und 29 junge indische Spitzenwissenschaftler wurden als “Max Planck -India Fellows” mit Aufenthalten an MPI und anderen Forschungseinrichtungen gefördert. Regelmäßig in Indien stattfindende Anbahnungsworkshops ergänzen erfolgreich das Programm.

Bei der Alexander-von-Humboldt-Stiftung nimmt Indien weltweit nach den USA und Japan mit insgesamt über 1500 Stipendiaten den dritten Platz ein.

Die DFG unterzeichnete im Jahr 2006 ein Abkommen mit dem DST und eröffnete ein Büro in Neu-Delhi sowie eine Zweigstelle in Hyderabad. Seither hat die DFG-geförderte bilaterale Forschungszusammenarbeit ständig zugenommen: so konnten insgesamt 40 neue deutsch-indische Projekte in die Förderung aufgenommen werden. Herausragendes Beispiel ist das 1. deutsch-indische Graduiertenkolleg im Bereich der Glyco-Chemie. In diesem Kolleg arbeiten seit 2009 Doktoranden der Universitäten Münster und Hyderabad unter gemeinsamer Betreuung durch Professoren von beiden Standorten.

Dieses Beispiel findet in Indien und Deutschland Nachahmer: weitere Initiativen für solche Graduiertenkollegs liegen bereits vor oder sind in der Vorbereitung.

Die Entscheidung des Auswärtigen Amts, in Delhi als einem von fünf Standorten weltweit ein Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) einzurichten, unterstreicht den hohen Stellenwert, der Indien als Partner für Wissenschaft und Forschung beigemessen wird.. Das DWIH wird eine Einrichtung der deutschen Wissenschaftsorganisationen sein. Die DFG koordiniert derzeit im Namen aller deutschen Wissenschaftsorganisationen die Errichtung des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) New Delhi. Das DWIH soll im Jahr 2011 eingeweiht werden.

Indien - Einsatz für Innovation und Berufsbildung

Quelle: Auswärtiges Amt

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