Arbeitsbeziehungen und Berufsbildung
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Anders als in Deutschland ist das Normalarbeitsverhältnis in Indien "informell": Fast 90% aller Beschäftigten arbeiten ohne arbeits- und sozialrechtlichen Schutz in informellen Arbeitsbezügen. Das beachtliche Wirtschaftswachstum Indiens kommt der armen Bevölkerungsmehrheit - sie macht je nach Lesart 27-68% der Gesamtbevölkerung aus- nicht automatisch zu gute. Die indische Regierung formuliert deshalb eine Politik des "Inclusive Growth" mit dem Ziel, die Früchte des Wirtschaftswachstums auch den Armen und den informell Beschäftigten zugute kommen zu lassen. Die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland ist in Indien ein vielbeachtetes Referenzmodell, sie wird als deutsches Modell des "Inclusive Growth" verstanden. Indien ist an den deutschen Erfahrungen in verschiedenen Bereichen interessiert - und an deutscher Expertise.
Berufsbildungskooperation
Indien ist ein sehr junges Land und es gibt einen enormen Bedarf an solider beruflicher Qualifizierung. Die indischen Berufsbildungseinrichtungen können diesen bisher weder quantitativ noch qualitativ annähernd decken. Indien startet daher eine Berufsbildungsoffensive und ist stark am deutschen dualen Berufsausbildungssystem interessiert. 2008 wurde eine deutsch-indische Arbeitsgruppe Berufsbildung eingesetzt. Sie wird auf deutscher Seite vom BMBF, auf indischer vom Minstry of Labour&Employment geführt. Sie koordiniert und ermöglicht diverse Kooperationsvorhaben. Die Kooperation umfasst einerseits Politikberatung und andererseits konkrete Kooperationsvorhaben, die von der indischen Seite finanziert werden. Berufsbildung ist kein Gegenstand der Entwicklungshilfe mehr. Die BMBF-geführten Kooperationspartner auf deutscher Seite sind iMOVE und BIBB.
Anläßlich der deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Delhi am 31.5. 2011 wurden mehrere Vereinbarungen zwischen deutschen und indischen Partnern unterzeichnet, u.a. zwischen dem BMBF und dem Minstry of Labour & Employment.
Verantwortliche Unternehmensführung - Corporate Social Responsibility
In Deutschland wird die Debatte über Verantwortliche Unternehmensführung (CSR) auf einem hohen Niveau verbindlicher sozialer und ökologischer Standards geführt. Das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) unterstützt den CSR-Prozess mit einer Reihe von Maßnahmen, die insbesondere im CSR-Aktions-Plan der Bundesregierung beschrieben sind. Das indische Ministerium for Corporate Affairs hat 2011 freiwillige Leitlinien für sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Unternehmensführung heraugegeben - bei der Entwicklung gab es deutsche Unterstützung, durch die GIZ. Auch bei der Stärkung der Verbraucher- Nachfrage nach ökologisch und sozial unbedenklichen Waren und Dienstleistungen ist deutsche Expertise gefragt.
Mehr zum CSR-Aktions-Plan
Krankenversicherung und Altersvorsorge
In Deutschland sind Altersvorsorge und Krankenversicherung grundsätzlich mit dem Beschäftigungsverhältnis verbunden - in Indien gilt dies nur für den kleinen Teil des formellen Beschäftigungssektors. Deutschland ist gleichwohl als Partner bei der Entwicklung von Sozialversicherungssystemen für den informellen Sektor in Indien gefragt. Die GIZ unterstützt das Minstry of Labour bei der Entwicklung und Einführung von ersten Kranken- und Altersvorsorge- Systemen für den informellen Sektor.
Die RSBY – Smart Card: Krankenversicherung für 300 Mio Menschen
Sozialversicherungsabkommen
Am 1.10.2009 trat ein erstes Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Indien in Kraft. Es regelt die Sozialversicherungspflicht insbesondere für Beschäftigte, die für einen bestimmten Zeitraum von ihrer Firma von Deutschland nach Indien -oder umgekehrt- entsandt werden.
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